TAGEBUCH „Mein Restaurant“ … KANDIDATENPAAR HAMBURG Hannes und Cornelia einigen sich, dass sie schreibt und er den Tagebuchtext vorgelesen bekommt, während er in der Küche das Abend- oder Nachtessen brutzelt.
Die Flugzeit ist zu kurz. Wir sind völlig übermüdet und kommen dann auch noch zu der Erkenntnis, dass der Businessplan (BP) immer noch nicht fertig ist. Wieso haben wir nicht lieber geschlafen? Der Tag vor der Bank wird heute eh anstrengend genug. Um 8 Uhr treffen wir dann alle Kandidaten. Ohne BP kam niemand. Unsere Power geht gen Keller und gleichzeitig wieder auf 100. Ja. Dann wird die Jury halt Punkte abziehen, uns zurechtrücken und wir bekommen weniger oder gar kein Geld. Dann muss es auch weitergehen. Dann gibt es eben keine neuen Stühle, sondern wir streichen die Alten. Dann gibt es keine Lederpolster, sondern Handgenähte. Dann gibt es keine Vorsatzschalen, sondern unsere Freundes-Malertruppe muss ran. Dann machen wir eben aus „Scheiße“ „Bonbon“. Unsere Gäste kommen nicht wegen der Samtkissen, sondern weil der Koch gut ist, das Team aufmerksam und die Ansprache persönlich. Das geht alles - funktioniert auch mit wackligen Stühlen. Ja! Das ist so! Die Leipziger und Kölner sind vor uns dran. Leipzig präsentiert witzig und charmant. Vom Konzept blieb leider nur noch ein Viertel. Alles andere wurde dem Markt angepasst. Nun ja - verständlich und dennoch irgendwie schade. Dennoch eine fantastische Leistung der beiden. Von Köln sind wir enttäuscht. War bei der ersten Präsentation soviel Euphorie zu spüren, wirkt nun alles recht platt und glatt. Von weitem sehen wir die Collage. Recht düster und es passt so gar nicht zu den 50ziger Jahren. Einer Zeit des Aufbruchs, der Wirtschaftswunderzeit und so. Die Jury kritisiert hart, dennoch fair. Dann sind wir dran. Unser Konzept ist immer noch dasselbe - nur die Gewichtigkeit ist eine andere. Wir breiten die Architektenpläne aus, reichen die neuen Zahlen nach und das Outfit der Speisekarte. Dass der BP fehlt, wird verübelt. Zu recht. Das Logo wird gelobt. Zu recht. Dann hören wir auf einmal Tim Mälzer - er lobt Hannes. Seine Entwicklung. Seinen aufrechten Gang. Sein Selbstbewusstsein. Mir wird warm ums Herz. Ja, ja - das ist mein Sohn. Gewachsen und gereift in nur 3 Wochen. Über sich hinausgewachsen in nur drei Wochen. Ich bin stolz auf ihn. Manchmal reicht ein einziges Wort, um mich völlig aus der Bahn zu werfen - dann kommt meine sehr sentimentale Seite durch und meine ganze Zerbrechlichkeit wird sichtbar. Mich stören meine Tränen nicht. Ich könnte nur noch weinen. Leise vor mich hinwimmern, wie ein kleines Kind. Freude pur. Freude und totale Erschöpfung. Nach uns folgen die Münchner. Boah - München hat aufgeholt. Ein völlig neues Konzept. Von A bis Z durchdacht. Glückwunsch. Wir ziehen unseren Hut vor den zwei 25-Jährigen. Alles ist stimmig und aus jeder Faser merken wir den Biss, den die zwei entwickelt haben. Super Leistung. Echt geil. Auch Berlin weiß, was sie wollen. Präsentieren mit Stoffen und Mosaikwandgestaltungen. Die zwei sind und bleiben ein süßen Paar. Romantisch stehen sie da, während sie ihm am Schlips zupft, um auch etwas sagen zu dürfen. Es ist ein wahrer Genuss die beiden zu betrachten. So oder so können wir alle zufrieden sein und mir selbst kommt es so vor, als würden wir alle zusammen vergessen, dass wir ja auch irgendwie Konkurrenten sind. Denn wenn das Ranking um unsere Restaurants vorbei ist, wird nur ein Paar das Gewinnerpaar sein. Wir müssen dann alle zusammen wieder zurück ins andere Leben. Uns einen Job suchen oder neue Auftraggeber finden. Irgendwie komisch dazustehen ist für niemanden von uns ein Genuss. Anderseits jedoch auch eine lehrreiche Erfahrung, denn unser Selbstbild wird erlebbarer denn je. Wir können genau sehen, wenn wir gut zuhören, wo unsere Stärken und Schwächen sind. Wo wir überfordert sind oder gar an Selbstüberschätzung leiden. Und es zeigt sich auch, wer Rückrat hat, zu sich selbst stehen zu können. Um 20 Uhr geht der Flieger gen HH . Hannes und ich sind müde. Fallen ins Bett.
Erstens kommt immer alles anders und zweitens als man denkt. Wieso sollte dieser Spruch nicht auch heute und für uns gelten? Ich sitze im Büro und will drucken - doch der Drucker geht nicht. Verdammt. Hm. Ich sollte nicht fluchen. Das kostet nur unnötige Energie. Saturn ist gleich um die Ecke. Ich rufe also kurz Hannes an, hole mir sein "Mach das mal" und dann stehe ich da. Drucker über Drucker. Ich bin Mac-Fan. Doch mit "normalen" Druckern kenne ich mich nicht aus. Und dann bin ich noch eine typische Waage - kann mich nie richtig entscheiden, wenn der Kopf mitspielt. Das tut er gerade, denn ich finde Farblaserdrucker toll, denke an die auszuwechselnden Speisekarten ab der Eröffnung und sehe die Preise. Ein Blick zur Uhr sagt: schnelle Entscheidung ist angesagt, Conny - mach mal wegen so einem Drucker keinen Herrmann. Der Verkäufer erzählt was von Warenausgabe und so, weil der Drucker schwer ist. Ich hebe den Karton an und schaue den Verkäufer ungläubig an. Der soll schwer sein??? Nö. Ist er nicht. Bezahlen, zum Auto, anschließen. Ja, ja . Doch dieser Drucker will brav eingerichtet werden und ich, die keine Strippen mag, musste ja unbedingt einen mit WLAN-Funktion holen. Es ist 15 Uhr - mir fallen die Augen zu. Schluss! Ich fahre in die Sauna. Ein Durchgang in der Hitze tut gut. Ich schalte ab. Der Kopf schwitzt sich leer. Länger kann ich auch nicht bleiben, denn um 17 Uhr erwartet uns bereits das Personalunternehmen. Mit Schaudern denke ich an den BP - wir wollten ihn doch fertig bekommen. Um 19 Uhr verlassen Hannes und ich dann endlich die Baustelle. Nicht ohne deftigen Abgang mit unserem Produktionsleiter. Wir zwei schreien ihn an. Der Arme kann sich gar nicht wehren. Er kennt uns so auch gar nicht. Wir uns auch nicht. Oder besser - ehe einer von uns schreit, muss eine Menge passiert sein. Was unser Andy nicht weiß: der Anfall währt nur 3 Minuten und dann ist er auch schon vergessen. Halt weggeschrien. Es gibt kein erneutes Aufwärmen, kein Nachtragen und erst recht keine beleidigte Leberwurst-Allüre. Ich erinnere mich, dass ich das letzte Mal vor mehr als 10 Jahren geschrien habe und meine zwei Buben damals mit großen Augen vor mir standen. In einer Atempause sagte Fiete dann: "Mom - wer schreit, hat schon verloren". Tja . Mein eigener Spruch holte mich ein, denn als die Buben irgendwann einmal wie die Hyänen aufeinander losgingen, stand ich im Raum und sagte selbigen Satz. Wie kommt es eigentlich, dass sich Kinder immer solche Einmalsätze am besten merken??? Im Büro angekommen, beginnt unsere Nachtschicht. Zahlen des BP korrigieren, die Speisekarten in Hüllen einbasteln und versuchen, den BP weiter auszuformulieren. Wir arbeiten bis 5 Uhr durch. Um 6 Uhr müssen wir auch schon in Richtung Flugplatz unterwegs sein, denn um 7 Uhr geht der Flieger nach Köln - zur Bank. Es reicht nur zum Duschen und Zähneputzen.
Vormittags sind wieder einmal Drehstunden angesagt. Ich stehe mitten beim Mauern, als der Kurier kommt. Er überreicht einen Brief und wir - wir fallen fast vom Glauben ab. Nicht Dienstag 16 Uhr, sondern heute 16 Uhr sollen alle Unterlagen fertig sein zzgl. einer Collage. Ich drehe fast am Rad. Werde innerlich unruhig, bockig, fühle mich verarscht - alles bricht zusammen, Hektik setzt ein. Ich brauche 3 Minuten für mich. Unser schöner Zeitplan ist aus den Fugen. Ich weiß, was alles noch nicht fertig ist. Scheiße auch. Was nutzen Logo und Speisekarte, wenn das Wichtigste - der Businessplan fehlt? Hannes wird blass - wenn wir bei dieser Bank versagen, dann können wir einpacken, denn das Geld auf unserem Konto reicht dann nicht mehr für Inneneinrichtung, Küchenutensilien, Deko-Material, Mitarbeiterbekleidung. Irgendwie ist bei uns beiden gerade die Schmerzgrenze erreicht. Doch wir wären nicht die Grauröcke, wenn uns das total umhauen würde. Also: Ab ins Büro, die zur Verfügung stehende Stundenzeit aufsplitten und ran an die Tastatur. Wir beruhigen uns gegenseitig - motivieren uns und lassen eine andere Art von Gelassenheit einziehen. Im Büro ging es dann unruhiger zu als geahnt. Mir zittern beim Dummy-Basteln die Hände. Ich werde nervös. Hannes übernimmt das eine und andere. Ich weiß, dass der BP nicht fertig wird. Egal. Dann ist er eben nicht fertig. Punkt! Um 16.01 Uhr übergeben wir dem Kurier unser Päckchen. Es lässt sich nicht ändern, was nicht zu ändern ist. Einig sind wir uns nur darüber: Morgen schreiben wir den BP, nehmen ihn mit nach Köln - reichen ihn bei der Jury ein. Mehr ist nicht möglich.
Als ich dem Kurzen zwei Minuten vor 10 Uhr am Telefon sage, dass der BP bereits Dienstag um 16 Uhr fertig sein muss - ist es erst einmal still am anderen Ende der Leitung. "Du weißt schon, dass man dafür eigentlich mindestens 4 Wochen Zeit haben muss, oder?" Ja, ich weiß es - nur die Zeit haben wir nicht. Die 2.Coachrunde per Telefon beginnt und der Sonntag nimmt seinen Lauf. Um 16 Uhr bin ich dann völlig breit. Das Zahlenwerk habe ich begriffen - auch was es bedeutet, hier und da zu ändern. Gastronomie tickt etwas anders als das, was ich bereits kannte. Ich bin überfordert - habe mich wohl auch überschätzt. Urplötzlich läuft der Film des letzten Bankgespräches vor meinen Augen ab. Da konnte ich noch nicht einmal das in Worte fassen, was ich jobseitig seit 20 Jahren mache. Nun kommt ein Bankgespräch, wo ich nur wortgewandt meine Unsicherheit überspielen kann. Hannes wird nicht einspringen können, denn auch ihm ist dieses Thema völlig unbekannt. Wareneinsatz, Kalkulation, Rezepturen und dergleichen werden ihm keine Hürde sein - nur der "Rest". Pffffffffffff . Ok, Montagmittag setzen wir uns zusammen und bringen zusammen, was zusammen gehört.
Hannes und ich teilen uns mal wieder in den Tag. Hannes fährt zur Baustelle. Die abgerissene Decke muss in die Container verladen werden, da Montag bereits der Lüftungsbauer kommt. Klar, dass unsere Freunde wieder mit dabei sind. Doch Marc kann nur 2 Stunden, Reimer will zum Segeln, Thomas hat einen Job rein bekommen - Hannes schuftet erst einmal allein. Erst am Nachmittag gesellen sich noch 4 Hände dazu. Ich sitze derweil im Büro und lasse den Kopf rauchen. Zahlen. Zahlen rund um Wareneinsatz, prozentuale Verteilung von Food und Getränken, Bügelwäsche, Reinigungsmaterial. Die ganze Palette muss hoch und runter gerechnet werden. Alles irgendwie geschätzt und doch so realitätsnah wie möglich. Was nützt es von Umsatzzahlen zu träumen, wenn unterm Strich doch nichts stimmt. Wir wollen schließlich nicht nur den 19.12.2008 erleben, sondern die nächsten Jahre ein Restaurant führen. Erwartungshaltungen, Wunschdenken und minimale gastronomische Erfahrungskennzahlen geben sich in meinem Kopf die Türklinke in die Hand. Von manchen Dingen habe ich Null Ahnung. Was tun? Ich rufe Stefan an. Er ist Vorsitzender des Verbandes der Köche und wird wohl helfen können. Tut er auch. Von Samstagabend 19 Uhr bis Sonntagmorgen um 4:30 Uhr coacht er mich in Fachbegriffen, Gastro-Themen und Knackpunkten. Mir fallen fast die Augen zu und in meinem Bauch rumort es, denn ein Businessplan besteht nicht nur aus Zahlen. Ok, ok . Noch habe ich den ganzen Sonntag vor mir. Im Posteingang finde ich um 6. 00 Uhr dann noch eine Mail vom Kurzen. Er hat schon während der Studienzeit Restaurants eröffnet, dann das Berliner Studentenwerk geleitet, dann wieder Restaurants voran gebracht. "Hey, Conny-Düsentrieb - ich schlag Dir einen Deal vor - ich helfe Dir beim BP und Du machst meine Webseite vertriebsseitig fit." Mir fällt ein Stein vom Herzen und ich lieeeeeeeeeeeeebe Deals!
Es ist noch sooo viel zu tun. Der Zeitdruck, das Rein und Raus bei den Bauentscheidungen, der geringe finanzielle Spielraum, unser Glaube an den Sieg, die Drehaufnahmen, die Touren nach Köln, die körperliche Arbeit, der Dreck, das Nichtwissen, was noch so alles als "Zwischeneinlage" kommt und unser nächster Banktermin --- sind in Summe gesehen ein Megaprogramm. Physisch, wie psychisch. Als ich gestern Abend beim Einkauf war und die Nervosität der Verkäuferin im Umgang mit mir bemerkte, war mir klar, dass ich zur Zeit wohl nicht gerade sehr entspannt durchs Leben laufen muss. Ohjehhh -und das passiert mir?! Bin ich doch sonst für funkelnd strahlende Augen und ein stets lächelndes Gesicht bekannt. Ja, diese zwei Seiten sind fast zum Markenzeichen um mich geworden. Hm, und nun verunsichere ich einfach so eine Verkäuferin. Ich muss dringend mal 2 Std. nur für mich haben ---- raus aus dem Ganzen. Einfach weg und wieder zu mir selbst finden. Anyway. Die nächsten 10 Stunden war genau das nicht möglich. Bei Hannes allerdings auch nicht. Seine flotten Sprüche und sein aufmunterndes Lachen stehen auf der Skala von 1-10 eher im unteren Bereich. Es wurde dennoch heiter und fröhlich. Heute erst recht, denn wir produzierten ein Video rund um unsere Personalsuche. Komisches Gefühl - wir mutierten zu Autoren und Schauspielern in einem, denn es war unsere Idee, welche umgesetzt wurde und zugleich waren wir es, die den Spot auch noch als Schauspieler besetzten. Einzig allein...
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Ich merke, dass ich 2 Tage ohne Schlaf nicht mehr durchhalte. Die Augen sind geschwollen, dunkle Ränder zeichnen sich ab. Die Knochen sind schwer wie Blei. Morgens weckt mich nicht der Wecker, sondern der Hammer … Völlig breit fahre ich uns durch die Stadt zum Restaurant. Heute kommt die Decke raus … „Muskeleinsatz formvollendet“ heißt also der Tagesslogan. Wir freuen uns darauf, denn so kommen wir unverhofft gehofft zu 30-40 cm mehr Raumhöhe. 18.00 Uhr… Der Staub steht noch im Raum. Die Decke ist teilweise raus. Wow – was für eine Höhe. Ich freue mich wie ein Kind. Die Decke muss nur gestrichen werden und die Rohre können in kleinen Vorsatzschalen verschwinden … Herrlich, einfach nur herrlich. Fast zeitgleich hören wir die Entscheidung des Hausarchitekten: wir dürfen die alten rosa-braunen Bodenfliesen rausnehmen und neuen Fußboden einbringen. Inmitten unserer Freude holt uns die Realität ein. Derzeit reißen wir nur ab und in knapp 4 Wochen ist doch schon Eröffnung. Pfffffffffffffffffffff … na, ob das zu schaffen ist??? Ja. Und mit diesem Satz fallen wir ins Bett. Nix da mit 2. Runde im Büro. Erst einmal Kraftschlafen – dann flutschen die Wörter um den rankenschmückenden Businessplan fast von allein aus dem Bauch über den Kopf zum Munde hinaus und rein in die Tastatur …
Frohe Botschaft: die Lüftung ist als Auftrag raus – wir können die Leute zum Decke abnehmen zusammentrommeln. Hannes und Lennert kümmern sich um den Keller – ich kriege Ohrensausen wegen dem Businessplan. Naja, der nächste Termin ist ja erst in 5 Tagen. Drei Nachtschichten werden helfen. Dafür sind Logo und Visualisierung fertig. Sieht gut aus – finden Hannes und Manu und Thomas und so und so. Doch ich merke wie mir gerade die Hitze hochsteigt. Diesmal nicht von den Wechseljahrbeschwerden, sondern in Erinnerung an das letzte Jury-Gespräch. Da war Unternehmenskommunikation eigentlich auch meine Stärke. Hm, eigentlich. Was, wenn ich nächste Woche wieder so daneben liege? Dann kann Hannes nicht einspringen. Gut, gut, gut Cornelia. Nächste Woche ist noch nicht und das Logo/Signe wird uns tragen – unser imaginäres Schutzschild sein.
Es geht ans Eingemachte – wir fahren Geschirr/Bestecke/Gläser einkaufen. Boah, für 80 Plätze – alles 2,5 fach. Ehe wir uns umgucken sind 4 Stunden rum. Speisekarten der Zukunft und Porzellanauswahl müssen jetzt und gleich abgestimmt werden. Höchste Konzentration für den Koch, denn was heute nicht bedacht wird, kann beim 4-Gang-Menü im Restaurant in 4 Wochen für eine Sintflut in der Küche sorgen. Absaufen nennen es die Profis auch. Dumme Sprüche von der Seite kommen da gar nicht gut und erst recht eine Nicht-so-wichtig-Handbewegung von mir löst feurig sprühendes Augenfunkeln aus. Oh Mist – das ist nicht mein Metier – ich muss mir auf die Zunge beißen, denn schließlich weiß Hannes, wie er welches Gericht wo platzieren will.
Arbeitsteilung ist mal wieder angesagt. Diesmal knallharte. Ich verkrümele mich in die Kreativecke und an meinen Mac. Logo/ Signe stehen auf dem Programm. Dazu das CI/CC/CP/CD. In meinem Kopf kreisen die Gedanken. Worthülsen und Bilder erwachen. Unsere Linie steht. Hannes lehnt sich total zurück. Er weiß, dass das was jetzt kommt super wird. Seit Jahren kennt er diese Situation. Am Mac entstehen die Entwürfe, dann stehe ich mit Klebstoff und Karton am Tisch, schneide und feile Dummys. Ich denke schon an die Silvesterkarte und das Thema, weiß, dass wir am 24. aufhaben werden, weil sonst nur die Lichter auf der Reeperbahn leuchten und andere Restauranttüren am Heiligabend geschlossen bleiben. „Bei uns wird auf sein“. Da rückt sich nix dran, wie es ihm erscheint. Doch meine Begründung überzeugt ihn. Hannes hat im Restaurant genug zu tun. Die alte Küche muss abgeschraubt und das Restessen darin entsorgt werden. Ruhige Tage mit nicht so viel Hektik. Das tut uns beiden gut.
Runter damit! Und rein mit der Pizza!
Wochenende – Hannes fährt nach Lüneburg; trifft Micha, seinen ehemaligen Chef, geht kickern und schlafen. Was das auch immer heißen mag, ich schmunzle nur leise vor mich hin. Der Zug bringt mich nach Berlin. Dort trifft sich der harte Kern aus Studienzeiten. 2009 sind seit dem Abschluss 25 Jahre vergangen. Völlig down komme ich an und das erste was Peter mich fragt ist: „Bist Du immer noch so verrückt wie damals?“ Ich erzähle von den letzten 2 Wochen und er sagt: „Schön, dass Du Dich nicht verändert hast“. Dann umarmt er mich – streichelt mir den Rücken und sagt nur „Ich habe davon gehört, doch Dein Lachen ist geblieben“. Ich weiß, was er meint. Er kannte Klaus, meinen Mann. Die beiden waren auch auf einer Wellenlänge. Peter hat herrlichen Humor. Trocken-nordisch halt. Diesen Humor muss man mögen, verstehen und nicht auf sich selbst beziehen. Babsi und Frank sind über 19 Jahre verheiratet. Immer noch. Tut gut zu sehen, dass es auch noch so etwas gibt.
Termine, Schaufelarbeiten – Dauermüdigkeit macht sich bei uns breit.
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